5 Fragen an …

5 Fragen an Elsa van Damke

5 Fragen an Elsa van Damke

Die in Berlin geborene Regisseurin und Autorin Elsa van Damke hostet am Festival-Donnerstag ein Panel zum Thema Film und Musik bei der c/o pop Convention. In unserem heutigen Newsletter verrät sie schon ein paar Dinge – beispielsweise warum Musik ihr im Schnitt oft den Arsch rettet und wie man den Mainstream erreicht, ohne inhaltlich glatt zu werden. Wir wünschen ganz viel Spaß mit unseren »5 Fragen an …« und hoffen, wir sehen euch nächste Woche!

Der Titel deines Panels legt nahe, dass Musik schon im Schreiben beginnt – hast du beim Drehbuch konkrete Songs oder Klangwelten im Kopf?

Absolut. Musik spielt eine riesige Rolle in meinem Leben und das schon, seit ich denken kann. Musikalische Früherziehung war meinen Eltern sehr wichtig, sodass ich früh schon viele meiner persönlichen Erlebnisse mit bestimmten Songs verbunden habe. Mit der Zeit merkt man dann, wie viel Kraft Musik hat und dass mich nur wenige Noten eines einzelnen Stückes bereits in einen Mood oder an einen Ort (zurück-)versetzen können. Das persönliche Gewicht eines Tracks dann auf ein Publikum zu übertragen, das ist die große Kunst: Also dass ich einen Song so einsetze, dass er für mein Publikum eine hoffentlich ähnliche Wirkung und Bedeutung bekommt, wie für mich - obwohl ich einen privaten Bezug zu dem Song habe. So schreibe ich meistens schon Songs als Moods in Szenen hinein, damit schon beim ersten Lesen für alle ein Ton gesetzt ist.

Was passiert im Schnittraum: Gab es bei dir schon Momente, in denen die Musik eine Szene komplett neu definiert hat?

Musik rettet mir oft den Arsch im Schnitt, ich sag’s wie’s ist. Im Schnittraum bist du so krass mit dem konfrontiert, was am Set alles nicht funktioniert hat. Du siehst jeden kleinen Fehler. Das ist immer der härteste Moment einer Produktion. Und wenn nix mehr hilft, hilft Musik. Es macht mir so viel Spaß, eine Szene mit den unterschiedlichsten Songs zu unterlegen und hineinzufühlen, was der Song mit der Szene macht. Manchmal ist es nämlich gar nicht mal so geil, unter eine traurig Szene auch einen traurigen Song zu packen. Manchmal ist es viel wirkungsvoller, einen Gute-Laune-Song drunter zu packen, der dich dann unerwartet viel mehr zerreißt innerlich, als irgendeine Heartbreak Ballade. Es gibt witzige Accounts auch auf TikTok, die berühmte Szenen der Filmgeschichte mit neuen Musiken unterlegen und da merkt man erstmal, wie viel Musik ausmacht: Da wird dann aus einer ernsthaften Streitszene plötzlich ein erotisch aufgeladener Flirt.

Du sagst, du willst den Mainstream erreichen, ohne inhaltlich glatt zu werden: Welche Rolle spielt Musik dabei als „Türöffner“ fürs Publikum?

Es gibt viel (Pop-)Musik, die meiner Meinung nach zu Unrecht negativ konotiert als „mainstreamig“ bezeichnet wird. Ich frage mich immer, wieso es mir so viele Jahre meines Lebens wichtig war, besonders nischige Artists zu hören, die niemand kennt. Ich wollte mir selbst das Gefühl geben, was besonderes zu sein. Und ich habe vor allem beobachtet, dass es oft female driven Phänomene sind, die die Gesellschaft gern abwertet: Harry Styles, Beyoncé, Rihanna, Taylor Swift — riesige Artists, die die Kraft haben, Massen zu bewegen. Und das ist doch am Ende, was ich auch machen möchte. Es gibt so viele tolle Popmusik, die Tiefe hat und trotzdem wahnsinnig Spaß macht. Dass Mainstream glatt ist, ist eine Angst, nicht zwangsläufig ein Fakt. Mit meiner Kunst möchte ich meine oft hochpolitischen Themen mit einem popkulturellen Zeitgeist paaren, ent-akademisieren und meine Geschichten somit für alle Menschen zugänglich erzählen. Unerwartete Paarungen sind dabei einfach spannend!

Deine Werke gelten als politisch, laut und präzise – würdest du sagen, die Musik in deinen Werken ist genauso „laut“ wie deine Haltung?

Ich würde sagen, die Musik ist manchmal sogar noch etwas ZU laut. Ich bin gerade dabei, zu lernen, wann Stille auch mal besser ist, wann es einfach mal ruhig sein sollte, um eine Szene stärker zu machen. Ich finde problemlos für jede Szene eines Films einen geilen, passenden Song. Aber am Ende hat man dann vielleicht das Gefühl, in einem 120 minütigen Musikvideo festzustecken. Das sind alles learnings. Die Musik in „Angemessen Angry“ fetzt so hart und ich bin so stolz auf meine Track-Auswahl und den Score meines Komponisten, aber jetzt, 2 Jahre später, würde ich die Musik minimieren und die Banger besser portionieren. So kann dann vielleicht auch meine politische Haltung besser blühen und das Publikum fühlt sich mehr mitgenommen, als buchstäblich mit dem Gesicht hineingedrückt. Meine politische Haltung wird per se aber immer laut bleiben. Die Zeiten des „unpolitisch-Seins“ sind vorbei. Ich hoffe, das ist mittlerweile angekommen.

Du selbst bist Teil des Programms bei der diesjährigen c/o pop Convention.Welchen weiteren Programmpunkt kannst du empfehlen oder willst du dir vor Ort gerne anschauen?

Ich freue mich natürlich riesig auf die spannenden Panels und die Konzerte. Like I said: Ich LIEBE Musik und ich liebe den Nachwuchs und ich liebe es, neue Artists zu entdecken (mit dem Unterschied, dass ich mir nicht mehr wünsche, sie bleiben für immer neu und klein und MEINS, sondern ihnen die dicksten besten Karrieren mit sehr viel Geld wünsche!!!!). Was ich auch spannend finde, sind die Lesungen und Live Podcasts. Viele meiner liebsten Internetpersonas haben in den letzten Jahren Buchdeals an Land gezogen und ich hören leidenschaftlich gern Podcasts privat. Ich liebe es einfach, meine Generation denken, philosophieren, facts spitten, arbeiten, wachsen und Massen unterhalten zu sehen. Ich hab so viele so schlaue Menschen um mich herum und ich freue mich, dass die C/O Pop so ein tolles LineUp kuratiert! Und Highlight wird natürlich das Fuffifufzich Konzert!



Die 1994 in Berlin geborene Regisseurin und Autorin Elsa van Damke studiert an der Berliner Hochschule für Technik Regie im Bachelor und feiert mit »OH SH*T!« (2020) ihren Abschluss und große internationale Erfolge. Ihr Regiepraktikum absolviert sie am Studio Babelsberg. »LANG LEBE DER FISCHFRIEDHOF« (2023) ist ihr preisgekrönter Abschlussfilm an der Hamburg Media School, mit dem sie ihren Master in Regie erlangt. Durch den Gewinn des RTL+ Storyteller Wettbewerbs verwirklicht sie 2025 mit »ANGEMESSEN ANGRY« ein autofiktionales Serienprojekt, welches zwei Grimme-Preise, den Serienpreis der TeleVisionale und insgesamt drei Fernsehpreis-Nominierungen einbringt.